Ein neuer Nordtarif vereint bald drei Küstenländer im ÖPNV

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Ein neuer Verbundtarif für die Busse und Bahnen in Schleswig-Holstein, Hamburg sowie Niedersachsen soll es den Fahrgästen wohl schon im nächsten Jahr ermöglichen, die öffentlichen Nahverkehrsmittel mit nur einem Ticket in allen drei Bundesländern von Flensburg bis Göttingen zu nutzen. Vor allem der Straßenverkehr in den Metropolen soll so entlastet werden.

Der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) hat kürzlich angekündigt, dass ein entsprechender Vertrag zwischen den Verkehrsverbünden mit dem Senat an der Elbe und der Landesregierung in Hannover noch in diesem Jahr unterzeichnet werden soll. Möglich machen das 75 Millionen Euro, die die Regierungskoalition im Kieler Landtag für den neuen Tarifverbund und für zusätzliche Tarifangebote freigegeben hat. Das Geld ist Teil der 470 Millionen Euro, die das Land als “Regionalisierungsmittel” vom Bund bis zum Jahr 2030 zusätzlich bekommt. Diese Zahlungen erhalten die Bundesländer seit den 90er Jahren aus Berlin, als ihnen die Verantwortung (und damit die Kostenlast) für den regionalen Zugverkehr im Zuge der Bahnreform übertragen wurde.

Schleswig-Holstein ist ein Tarifdschungel

Der Landtagsabgeordnete Andreas Tietze (Grüne) hat sich zu Testzwecken einmal die Öffi-Tarife im Bundesland zwischen Ost- und Nordsee angesehen. „Dieser Tarifdschungel ist intransparent, teuer, ungerecht und abschreckend“, sagte er. „In Schleswig-Holstein gibt es 1.312 verschiedene Fahrkarten für Busse und Bahnen.“

Ein neuer Verbundtarif ist also dringend nötig. Neben dem Nordtarif soll es aber auch weitere Verbesserungen wie neue Bahnlinien und Haltepunkte, papierlose Tickets oder WLAN im Nahverkehr geben. Ziel dieser Maßnahmen sei es, den Alltag der 150.000 Zugpendler im nördlichsten Bundesland zu erleichtern. Außerdem sollen mehr Kunden vom Vorteil der öffentlichen Nahverkehrsmittel überzeugt werden, indem der Zugang vereinfacht wird. So möchten die Landtagsabgeordneten in Kiel mit den Nachbarländern einen „Norddeutschen Tarifverbund“ erarbeiten, „in dem die Besonderheiten der bestehenden Tarifsysteme aufgenommen werden“. Zwar gibt es schon die Ländertickets in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen, die verbundübergreifend die Fahrt nach Hamburg ermöglichen. Aber für Berufspendler sind diese Angebote ungeeignet. Mit dem Nordtarif sollen aber auch andere Nutzergruppen besonders profitieren, Studenten z.B. mit einem landesweiten Semesterticket oder Langschläfer mit dem Neun-Uhr-Ticket.

Mit einem Gutachten zum Wunschtarif

Um die Verhandlungen um das Nordticket vorzubereiten, finanziert Kiel zunächst allein ein Gutachten, um ein Vertriebs- und Tarifkonzept zu entwickeln. Das kann nur die berühmte eierlegende Wollmilchsau werden: Es soll den Kundenbedürfnissen im städtischen sowie im ländlichen Raum gerecht werden, als fair empfunden werden, technisch einfache und moderne Vertriebslösungen (Smartphone-App) bieten und für die Unternehmen wirtschaftlich sein. Vor allem aber soll es „die von den Kunden noch wahrgenommenen Tarifgrenzen“ (also das Tarifchaos) verschwinden lassen. Die bestehenden Preissysteme (SH-Tarif, HVV-Tarif und Niedersachsentarif) werden „im Kern“ aber bestehen bleiben. Im Sommer soll das Gutachten vorliegen.

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