Diese Konkurrenten fordern die Deutsche Bahn heraus

2. Klasse IC Waggon der Deutschen Bahn

Früher fuhren auf den Schienen in Deutschland nur die roten bzw. rot-weißen Züge der DB. Seit der Bahnreform und der Öffnung des Marktes im Jahr 1994 ist die Verkehrsleistung vor allem im Personennahverkehr auf der Schiene um über 35% gestiegen, die Bahnhöfe und Gleise werden dabei immer bunter. Den größten Konkurrenzdruck hat die Deutsche Bahn im Regionalverkehr. Aber im Fernverkehr können die Fahrgäste meistens nur den Fernbus als Alternative nutzen. Ein neuer Anbieter versucht gerade sein Glück.

Der harte Kampf um Strecken im Regionalverkehr

Im Regionalverkehr werden fast ein Drittel aller Fahrten von sog. „Nichtbundeseigenen Eisenbahnen“, also privaten oder ausländischen Konkurrenten betrieben. Laut Eisenbahn-Bundesamt bieten mehr als 300 dieser Bahnunternehmen in Deutschland Fahrten im Schienenpersonenverkehr an. Die subventionierten Strecken im Nahverkehr werden von den Aufgabenträgern (Kommunen, Landkreise, Verkehrsverbünde) ausgeschrieben, und alle können sich bewerben. So entstand ein intensiver Wettbewerb um Sparpreise, Qualität und Leistung, in dem die neuen flexiblen Privatbahnen dem großen ehemaligen Staatskonzern oft Paroli bieten können und Ausschreibungen gewinnen. Die DB Regio bedient laut Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr inzwischen weniger als 75% der gesamten Schienenkilometer in diesem Segment. Experten erwarten, dass die privaten Konkurrenten ihren Marktanteil in Zukunft noch weiter steigern werden.

Kaum Wettbewerb im Fernverkehr

Im Fernverkehr ist die Deutsche Bahn aber bisher fast ein Monopolist geblieben. Nur eine Handvoll Unternehmen fahren im freien Markt des Personenfernverkehrs – hier liegt der Marktanteil der Deutschen Bahn noch bei 98%.

Ein Grund dafür ist, dass das Schienennetz der DB Netz AG gehört, die zwar formell als eigenständiger Bereich getrennt vom Fahrbetrieb arbeitet. Aber während die Streckenvergabe innerhalb des DB-Konzerns scheinbar reibungslos läuft, müssen Privatunternehmen die Nutzung des ehemals staatlichen Schienennetzes erst beim Konkurrenten beantragen. Theoretisch überwacht die Bundesnetzagentur eine diskriminierungsfreie Streckenvergabe, aber Verbände wie Mofair beklagen einen schwierigen Zugang und unfaire Bedingungen für private Eisenbahnunternehmen.

In den letzten Jahren gab es einige Anbieter, die auf ausgewählten Strecken versuchten, einen alternativen Bahnverkehr zu etablieren. Aber letztendlich scheiterte z.B. der Interconnex Leipzig-Berlin-Rostock 2014 an der Billigkonkurrenz durch die Fernbusse, die ja eigentlich den Wettbewerb beleben sollten.
Der Hamburg-Köln-Express fährt inzwischen nur noch am Wochenende zwischen den beiden Großstädten. Auch der Harz-Berlin-Express verkehrt nur von Freitag bis Sonntag.

Kann Locomore ein Konkurrenzangebot dauerhaft etablieren?

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 startete der private, Crowdfunding-finanzierte Locomore den Verkehr zwischen Stuttgart und Berlin. Mit sehr günstigen Tickets, sympathischen Themenabteilen und einem konsequent freundlich-ökologischem Auftreten versuchen die Betreiber, aufgeschlossene Fahrgäste in ihre Züge zu locken. Diese bestehen aus orangefarbenen umgebauten ehemaligen Intercity-Wagen und fahren im Moment fünf Mal wöchentlich (ab April wieder täglich) durch die Republik.

Im Retro-Charme und Retro-Komfort zielt Locomore auf Kunden, die mehr Wert auf zwischenmenschliche Kommunikation und entspanntes Reisen legen, als auf getakteten Hochgeschwindigkeitsverkehr im edlen ICE-Design.

Für Fahrpreise zwischen 22 und max. 65 Euro fährt der Zug früh morgens in Stuttgart los, hält u.a. in Heidelberg, Frankfurt a.M., Fulda, Göttingen und Hannover, und kommt mittags in Berlin-Lichtenberg an. Nachmittags geht es auf der selben Strecke wieder zurück.

Die Betreiber geben sich zufrieden, wenn sie nach der Auslastung gefragt werden. Wenn erste kleine Probleme mit der Wartung der Wagen gelöst sind, planen sie weitere Strecken, z.B. zwischen München und Frankfurt bzw. Köln und Berlin.

Im Sinne eines fairen Wettbewerbs und der Stärkung des Systems Schiene kann man den Betreibern von Locomore nur wünschen, dass sie erfolgreich sind, damit die Fahrgäste in Zukunft mehr Alternativen zur Deutschen Bahn als den Fernbus haben.

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1 Antwort

  1. Vielleicht schafft es locomore ja so:

    Vorschlag: Test eines Buszubringers zum Locomore Zug mit Taxis
    Ob es sich wirklich lohnt, Zubringerbusse zum ab dem 14.12. verkehrenden Locomore-Zug Stuttgart – Berlin anzubieten, ist keinesfalls sicher und ein Test ist mit großen finanziellen Risiken im Fall eines Scheiterns verbunden. Wer kann schon sicher sein, dass hinreichend viele Kunden einen Umstieg in einen Bus mit entsprechender Wartezeit in Kauf nehmen?
    Unter den auf der angehängten Karte dargestellten möglichen Zubringerbussen dürfte die Verbindung von Hannover in die Millionenstadt(!) Hamburg die attraktivste für einen Test sein. Ein Großraum-Taxi mit Platz für 7 Fahrgäste sollte in der Lage sein, mit hinreichend Sicherheitsreserven Anschlussreisende aus dem Süden von Hannover weiter nach Hamburg zu transportieren und auf der Rückfahrt Reisende aus Hamburg nach Hannover zum Zug nach Süden zu bringen. Die Kosten dürften mit vielleicht 150 bis 200€ für die 150km und zurück (gut 1€/Entfernungskilometer) überschaubar sein. Verlangt man 10€ für die Fahrt zwischen Hannover und Hamburg und schreibt dem Taxi weitere 10€ vom Fahrpreis für das Zugticket gut, könnten bereits durchschnittlich 4 bis 5 Reisende im Taxi die Kosten decken.
    Geld wird man so sicher nicht verdienen können, aber das Risiko diesen Zubringer z. B. Freitags und Sonntags zu testen, ist äußerst gering. Wenn ein drittes Großraumtaxi nötig wird, könnte man sich überlegen, ob der Betrieb auf einen Bus umgestellt werden kann.
    (Im ersten Kommentar befindet sich ein Link zu einer Karte mit besserer Auflösung)
    Quelle: https://www.facebook.com/FernbusForum/photos/a.934600239972469.1073741827.387085398057292/1096470837118741/?type=3&theater

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