Die Bahn wird besser – dank der Fernbusse

2. Klasse IC Waggon der Deutschen Bahn

Bus oder Bahn? Wer eine längere Strecke unterwegs sein muss und sich den Trip nicht im Auto antun möchte, ist seit ein paar Jahren nicht mehr auf den Schienen-Monopolisten angewiesen. Zwar ist die direkte Konkurrenz für die Deutsche Bahn im Fernverkehr noch überschaubar. Aber seit der Liberalisierung des Busverkehrs gibt es mit Flixbus & Co. eine echte Alternative auf der Straße. Und dieser Mitbewerber um die Gunst der Fahrgäste treibt den behäbigen Staatskonzern an, besser zu werden.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Der Fernbusverkehr boomt, im Jahr 2016 stiegen die Ticketverkaufszahlen das vierte Jahr hintereinander, auf über 25 Millionen. Innerhalb von Deutschland fahren die Anbieter fast jede etwas größere Stadt an, oft mehrmals täglich. Auch im benachbarten Ausland verbinden die großen Fernbusse viele attraktive europäische Ziele miteinander. Der Preiskampf der Anbieter untereinander, aber auch mit der Bahn ist gnadenlos. Die DB hat auf den meisten Strecken zwischen deutschen Metropolen viele Kunden an die Konkurrenz auf der Straße verloren, und muss sich nun bewegen. Neben einigen Service-Verbesserungen hat der Konzern so viele Sparpreise wie noch nie im Angebot. Die Fahrgäste sparen Geld, reisen bequemer und können sich freuen. 

Genau vergleichen lohnt sich

Trotzdem lohnt sich meistens ein genauer Vergleich, bevor die Entscheidung für die Straße oder die Schiene fällt. Natürlich ist das wichtigste Kriterium der Preis. Aber diesen zu vergleichen ist auf den ersten Blick nicht so einfach.

Der Normalpreis („Flexpreis“) bei der Deutschen Bahn ist erst einmal ziemlich teuer. Beispielsweise kostet eine einfache Fahrt in der 2. Klasse von Hamburg nach Frankfurt im ICE stolze 124 Euro. Aber ganz ehrlich – wer bezahlt heute noch den Normalpreis? Da könnte man auch den Standardtarif der Lufthansa auf dieser Strecke als Vergleich heranziehen. Dort kostet die gleiche Verbindung am selben Tag mindestens 233 Euro. Selbst wenn man die kostenpflichtige Sitzplatzreservierung (4,50 Euro) einrechnet, ist die Bahn noch deutlich billiger. Und von Haustür zu Haustür dauert der Weg gar nicht mal viel länger auf der Schiene. Unschlagbar günstig ist aber Flixbus, denn hier bekommt man ein Ticket schon ab 19 Euro. Einen „Normalpreis“ scheint es hier nicht zu geben.

Aber bei der Bahn gibt es u.a. die Bahncard, und die lohnt sich schnell. Mit der Bahncard 25 bekommen Sie ein Jahr lang immer 25 Prozent Rabatt auf den Normalpreis, sie kostet 62 Euro in der 2. Klasse. Exakt diese Summe sparen Sie aber schon wieder ein, wenn Sie nur ein Mal mit dem Normalpreis von Hamburg nach Frankfurt und wieder zurück fahren!

Der frühe Bucher fängt das Schnäppchen

Je früher Sie buchen, desto mehr Geld können Sie sparen. Dieses Prinzip gilt schon ewig im Flugverkehr, aber seit einigen Jahren auch bei der Bahn und im Fernbusverkehr. Wenn Sie sich auf einen bestimmten Zug festlegen, können Sie mit dem Sparpreis der Bahn richtig viel sparen. Ein paar Wochen im Voraus gebucht fahren Sie besonders günstig ab 19 Euro von der Alster an den Main, und bekommen mit einer Bahncard noch zusätzlich 25 Prozent Rabatt. Auch kurzfristig bietet die Bahn oft noch Sparpreise ab 29 Euro an, die immer unter dem Bahn Flexpreis liegen. Und hier fahren Sie zu zweit besonders günstig, denn es gibt einen Extrarabatt für Mitfahrer.

Die Tickets im Fernbus bekommen Sie dagegen oft noch am selben Tag günstig, und bezahlen meistens max. 60 Euro. Im Voraus finden Sie oft Angebote für unter 30 Euro auf der Strecke zwischen Hamburg und Frankfurt.

Auch bei den Sitzplatzreservierungen und Stornierungen zeigen sich Flixbus & Co. kundenfreundlicher. Da man im Bus während der Fahrt nicht stehen darf, ist die Ticketanzahl pro Fahrt begrenzt. Sie bekommen garantiert immer einen Sitzplatz. Aber am Fenster oder ganz vorne können Sie z.B. nur sitzen, wenn Sie früh genug am Bus und diese Plätze noch nicht belegt sind.

Wenn Sie Ihr Ticket vor Fahrtantritt stornieren müssen, erstattet Ihnen Flixbus den Wert als Gutschein. Die Deutsche Bahn verlangt bei Sparpreisen bis einen Tag vor Abreise und bei „Flexpreisen“ am Tag der Abreise eine saftige Gebühr von 19 Euro. Am Tag des Fahrtantritts können Sparpreistickets gar nicht mehr umgetauscht werden, genauso wenig wie ein Schönes-Wochenende-Ticket oder die Länder-Tickets generell.

Fahrtdauer und Service an Bord entscheiden mit

Wenn die Preisunterschiede gering sind oder keine Rolle spielen, sollten Sie noch andere Faktoren berücksichtigen, um die richtige Wahl zu treffen. Vielleicht ist die Reisezeit für Sie sogar wichtiger? Ein Fernbus darf selbst auf einer leeren Autobahn max. 100 km/h fahren, auf der Landstraße sogar nur 80 km/h. ICEs sind auf modernen Strecken bis zu 250 km/h, teilweise sogar 300 km/h unterwegs. Während Sie im Flixbus mindestens 6,5 Stunden (oder bei günstigeren Tickets auch mal 9 Stunden) auf der Straße von Hamburg nach Frankfurt(Main) unterwegs sind, braucht der ICE nur etwas mehr als 3,5 Stunden.

In dieser Zeit sitzen Sie entweder in Ihrem äußerst bequemen Sessel, können aufstehen und durch den Zug spazieren, oder im Bordrestaurant gut essen und trinken. Dabei fahren Sie oft durch schöne Landschaften, die am Fenster vorbei ziehen. Im Fernbus sitzen Sie relativ beengt, und stehen auch mal im Stau, mit Ausblick auf Leitplanken, Lkws und Autobahnabfahrten. Während der Fahrt haben Sie keinen Zugriff auf Ihr Gepäck, und bekommen höchstens einen vorgebrühten Filterkaffee aus der Kanne. Als Toilette dient das oft gesperrte winzige Bord-WC, oder Sie müssen auf einen der nervigen Pausen-Stops an einem idyllischen Autobahn-Rastplatz warten.

Bis vor Kurzen war ein kostenloses W-LAN im Fernbus deswegen gerade für viele junge Reisende das entscheidende Argument, trotzdem den Bus zu nehmen. Nun hat die DB auch für die 2. Klasse nachgezogen und die Züge bzw. Strecken mit der notwendigen Hardware ausgerüstet, damit mehrere Hundert Fahrgäste gleichzeitig surfen können. Das Netz ist in der Regel zuverlässiger und leistungsstärker als in Fernbussen, die doch öfter in Funklöchern fahren (oder stehen), als der ICE auf den Hauptstrecken.

Geld zurück bei Verspätungen gibts nur bei der Bahn

Das lästige Thema Verspätungen wird in den Medien gerne nur bei der hassgeliebten Bahn diskutiert, dabei tritt sie bei Fernbussen genauso häufig auf. Die Bahn ist in den letzten Jahren besser geworden, und mehrere Stunden Verspätung sind sehr selten geworden – weil diese für die DB teuer werden. Bei den Fernbusanbietern sieht es etwas anders aus. Zum einen können sie längere Verzögerungen oft einfach nicht vermeiden, wenn sich lange Staus auf den Autobahnen bilden. Zum anderen haben die Fahrgäste schon rein gesetzlich deutlich weniger Rechte als bei der Bahn. Von der DB erhalten Sie ab 60 Minuten Verspätung 25 Prozent des Fahrpreises erstattet, bei mehr als 120 Minuten sogar die Hälfte. Im Fernbusverkehr greift die entsprechende EU-Verordnung nur ab einer Strecke von mind. 250 km und sieht hier keine Fahrpreiserstattung, sondern höchstens Verpflegung, Weiterbeförderung oder zur Not eine Unterkunft vor.

Unser Resümee: Die neue Konkurrenz tut allen Beteiligten gut, vor allem den Fahrgästen. Die können wählen:

Der Fernbus ist sehr flexibel, sehr günstig und sehr fair. Dafür dauert die Fahrt deutlich länger, der Komfort an Bord ist höchstens befriedigend, und die Kunden haben weniger Rechte.

Die Bahn ist einfach das weitaus erprobtere, sicherere und zuverlässigere System – auch wenn die DB bis vor einigen Jahren an vielen Stellen zu sehr gespart und damit anspruchsvolle Kunden verschreckt hat. Heute bekommen Sie für einen angemessenen Preis eine hochwertige Dienstleistung, und sitzen im Fall der Fälle am längeren (juristischen) Hebel.

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1 Antwort

  1. Marktanteil des Fernbusses gegenüber dem Fernzug wächst

    Das sprunghafte Wachstum des deutschen Fernbusmarktes war im letzten Jahr vorbei. Neben einer gewissen Sättigung dürfte auch die Angebotsoffensive der Deutschen Bahn einen Beitrag dazu geleistet haben, da – wie viele bereits gemerkt haben dürften – Bahntickets unter bestimmten Bedingungen mittlerweile sogar günstiger als Fernbustickets sein können. Trotzdem ist in den ersten drei Quartalen der Marktanteil des Fernbusses gemessen in Personenkilometern kontinuierlich gewachsen: von 14,3% im ersten Quartal über 14,2 auf 16% im dritten, wie das Statistische Bundesamt mitteilt.

    Für das vierte Quartal, in dem das Busangebot durch das Ende von BerlinLinienBus und Postbus und Linieneinstellungen von Flixbus deutlich reduziert wurde, liegen noch keine Zahlen vor. Man wird sehen, ob es zu einem Einbruch gekommen ist, oder ob sich die Fahrgäste größtenteils in den verbleibenden Bussen wiedergefunden haben.

    Quelle:
    https://www.facebook.com/FernbusForum/posts/1143316975767460
    https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/TransportVerkehr/PersonenverkehrSchienenverkehr/PersonenverkehrBusseBahnenVj2080310163234.pdf?__blob=publicationFile (Seiten 7 und 8)

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